Zum unwahrscheinlichsten Zeitpunkt, mitten in der Kulturödnis des ersten Corona-Lockdowns, setzten sich vier Studierende zusammen und entwickelten die Idee Toneo. Die Gründer – Cansu Birkl, Raphael Schönball, Joris Thiel und Benedikt Poggel – konnten zwar nur wenig Erfahrung in der Organisation von Laienorchestern vorweisen, aber umso mehr als Orchestermusikerinnen. So konnten sie eine Gründungsidee entwickeln, die gemäß dem Motto „Gute Erfahrungen mitnehmen, schlechte rauslassen“ schnell konkrete Formen annahm: Junge Musiker sollen gemeinsam Sinfoniekonzerte spielen und über sich hinauswachsen. Das erfordert nicht nur musikalische Exzellenz, sondern vor allem Motivation und Lust, mitzumachen. Deshalb spielt Toneo zwei Projekte im Jahr ohne regelmäßige Proben, dafür mit kurzen und intensiven Probenphasen, in denen nicht nur hochkonzentriert und ambitioniert Musik gemacht wird, sondern das Orchester immer wieder neu nicht nur zu einem Klangkörper, sondern auch einer menschlichen Gemeinschaft zusammenwächst.

Eine Orchestergründung in Pandemiezeiten erfordert vor allem eins, das wurde schnell klar: Mut. Frei nach dem rheinischen Lehrsatz „Et hätt noch immer jot jejange“ darf man angesichts von rasch wechselnden Vorschriften und quarantänebedingten Ausfällen nicht die Nerven verlieren und muss die Probleme angehen, wie sie kommen. Anders als geplant wurde so das erste Projekt ein Streicherprogramm kleinerer Dimension: Sebastian Gunkel dirigierte im Bürgersaal Ismaning unter anderem Tschaikowskis geniale Streicherserenade. Das Orchester konnte gleich überzeugen und zeigte, dass es voll hinter Toneo steht: Wegen der beschränkten Personenzahl musste es am Konzertsonntag gleich zweimal auftreten. Solche Einsatzbereitschaft und Flexibilität unterstreichen noch einmal den Anspruch des Orchesters.

Durch die Debütkonzerte wurde dann auch der junge aufstrebende Dirigent Vitali Alekseenok auf Toneo aufmerksam und die Planung für das nächste Projekt begann. Mit finanzieller Unterstützung der Stadt München gelang es, ein ungleich größeres Programm auf die Beine zu stellen: Neben Beethovens 3. Sinfonie „Eroica“ standen drei eigens für das Konzert in Auftrag gegebene belarusische Orchesterlieder auf dem Programm. Die Pandemie gab ihr bestes, den Auftritt im Münchner Herkulessaal zu verhindern, konnte aber letztendlich nur eine Verschiebung auf den Herbst 2021 und einen kurzfristigen Wechsel des Solisten erreichen. Wieder war das Konzert ein voller Erfolg – nicht nur musikalisch, auch logistisch hatte Toneo nun bewiesen, wozu es fähig ist.

Für das Frühjahrsprojekt 2022, das endlich im ursprünglich anvisierten halbjährigen Rhythmus stattfinden konnte, kehrte schließlich Sebastian Gunkel als Dirigent zurück. Gemeinsam mit dem 22-jährigen Solisten Louis Vandory brachte er Prokofjews erstes Violinkonzert neben Brahms zweiter Sinfonie und Lutoslawskis „Kleiner Suite“ zur Aufführung. Zum ersten Mal erklang Toneo auch außerhalb von München im Kultur- und Tagungszentrum Murnau am Staffelsee. Wie immer konnte man sich auf das Coronavirus verlassen, welches in der hochansteckenden Omikron-Variante knapp zwei Jahre nach Beginn der Pandemie zu einer Rekordzahl an kurzfristigen Auswechslungen in der Besetzung führte. Erneut bewies Toneo aber seine nahezu professionellen Qualitäten und trotzte allen widrigen Umständen mit zwei begeisternden Musikabenden.

Ein besonderer Zuhörer saß dabei in der Münchner St. Maximilianskirche im Publikum, nicht nur des Namens wegen: Wenige Wochen nach dem Projekt wurde der Vaterstettener Dirigent Maximilian Leinekugel für das Herbstprojekt 2022 engagiert. Wieder einmal auf höchstem musikalischen Niveau – insbesondere mit einem glänzenden Holzbläsersatz – spielte Toneo Tschaikowskis sechste Sinfonie neben Chatschaturjans Maskerade-Suite und Joachim Raffs Rhapsodie „Abends“ zu dessen 200. Geburtsjahr.

Der gesteigerte Bekanntheitsgrad des Orchesters zeigt sich auch darin, dass die Programmplanung immer langfristiger und damit professioneller wird. Als nächstes stehen im Frühjahr 2023 die 7. Sinfonie Antonín Dvořáks neben Beethovens Violinkonzert mit Isabell Mengler, dirigiert von Sebastian Gunkel auf dem Programm.